Asthma
bronchiale / obstruktive Bronchitis im Vorschulalter
Allgemeines
In den ersten 6 Lebensjahren zeigen
ca. 30% aller Kinder wiederholtes Giemen. Unter Giemen verstehen wird ein trockenes -vorwiegend in der
Ausatmung auftretendes- Atemgeräusch von pfeifendem Charakter, das bei
krampfhaft verengten kleinen Bronchien mit zähem Sekret auftritt. Die giemende Atmung stellt ein Leitsymptom des Asthma
bronchiale und der obstruktiven Bronchitis (synonym: spastische Bronchitis)
dar.
Frühkindliches Asthma Bronchiale: Bei einem Drittel dieser Kinder mit
immer wiederkehrender giemender Atmung handelt es
sich um ärztlich diagnostizierte Asthmatiker, wobei die Diagnose in erster
Linie bei Kindern mit familiären Vorkommen von Asthma und/oder Allergien sowie
bei atopischer Dermatitis (=Neurodermitis) und/oder
allergischen Schnupfen des Kindes vermutet werden. Diese Kinder zeigen früher
oder später häufig eine Reaktion auf Nahrungsmittelallergene
und/oder Inhalationsallergene,
die für ein frühkindliches Asthma sprechen. Diese Beschwerden bleiben bis in
das Jugendalter hinein bestehen.
Rezidivierende obstruktive Bronchitis: Bei den anderen zwei Dritteln
handelt es um eine rezidivierende (=immer wiederkehrende)
obstruktive Bronchitis, die gewöhnlich durch virale Infekte (RS-Viren und Rhinoviren)
verursacht wird. Die obstruktive Bronchitis tritt vor allem
in der infektreichen kalten Jahreszeit auf. Die giemende
Atmung dauert einige Tage an und mit Abklingen des Infektes werden diese Kinder
oft wieder beschwerdefrei. Diese rezidivierende
obstruktive Bronchitis wird mit zunehmendem Alter seltener und zeigt damit eine
natürliche Selbstheilungstendenz.
Diagnostik
Die Diagnose eines Asthma bronchiale im Vorschulalter, insbesondere in den
ersten 3 Lebensjahren ist schwierig, weil zur Sicherung der Diagnose kaum
Hilfsmittel, wie z.B. Lungenfunktion, zur Verfügung stehen. Die Diagnostik
basiert somit in erster Linie auf der Krankengeschichte und der
Verlaufsbeobachtung.
a)
Krankengeschichte und klinische Untersuchung
Die Krankengeschichte ist zur Findung der Diagnose Asthma im
Vorschulalter das wichtigste Instrument. Dabei werden folgende Fragen gestellt
Treten pfeifende oder giemende
Atemgeräusche auf?
Treten die Beschwerden auch in infektfreien Phasen auf?
Reagiert das Kind bei körperlicher Anstrengung mit giemenden Atemgeräuschen?
Liegt eine atopische Dermatitis,
ein allergischer Schnupfen oder ein Asthma bronchiale bei einem bzw. beiden
Elternteilen und/oder Geschwister vor?
Finden sich Hinweise für eine Neurodermitis, allergischen
Schnupfen und Nahrungsmittelallergie beim Kind selbst?
Lassen sich Auslöser aus der Umgebung (Tiere, Tabakrauch)
oder jahreszeitliche Abhängigkeiten (Pollen) nachweisen?
Bei positiver Beantwortung von mehreren der obgenannten
Fragen erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Asthma bronchiale vorliegt.
b) sog. Lysetest
Erfassung des Ansprechens auf eine inhalative
bronchienerweiternde Therapie mittels Abhorchen mit
dem Stethoskop
c)
Allergietestung
Anhand des Allergietestbefundes kann eine gewisse
Weichenstellung in Richtung Asthma bronchiale (positiver Befund auf Inhalations-
bzw. Nahrungsallergene) oder rezidivierende
obstruktive Bronchitis (negativer Befund) geben.
d) Lungenröntgen
Ein Lungenröntgen ist bei schwerer oder häufiger oder nicht
auf die Therapie ansprechenden Bronchitis in Erwägung zu ziehen.
e)
Durchführung von Zusatzuntersuchung
evtl. Bestimmung der Immunglobuline,
Schweißtest, Bronchoskopie etc.
Medikamentöse Therapie
a)
Bronchienerweiternde Medikamente (z.B. Sultanol®
oder Bricanyl®)
Saft: bei erstmaligen oder leichten Beschwerden
Inhalation: Dosieraerosol mit Spacer
(=Vorschaltkammer) oder mit elektrischen
Kompressor
b)
Leukotrienantagonisten (Singulair®)
Kautabletten: Bei rezidivierender
obstruktiver Bronchitis mit negativen Allergietest und bei nicht zufrieden
stellend eingestellten Asthma bronchiale mit niedrige dosiertem inhalativen Kortison
c)
Kortison (Flixotide®, Pulmicort®)
Intravenös: für stationäre Patienten
Tabletten: in der Akuttherapie für die Dauer von 1-7 Tage
Inhalation: Dosieraerosol mit Spacer,
besonders wirksam bei frühkindlichem Asthma bronchiale mit positiver
Allergielage
Therapeutische
Begleitmaßnahmen
Vermeidung von Passivrauch
Gute Schulung im Umgang mit den Inhalationshilfen
Notfallplan für neuerliche Obstruktion
Hyposensibilisierung (=Spezifische Immuntherapie) ab dem
5. Lebensjahr bei gesicherter Inhalationsallergie gegen Hausstaubmilben und
Pollen [Gräser, Frühblüher (Birke, Erle, Hasel)].